Dass sich unsere Zeit hier dem Ende nähert, merkt man nicht nur an wachsender Vorfreude, sondern leider auch daran, dass Argentinien es uns zum Abschluss nochmal schwer machen möchte. Bis zu unserem Auszug am Freitag hatten wir wochenlang Ärger mit unserem Vermieter, der scheinbar derzeit Geldprobleme hat und diese gedenkt mit den Kautionen seiner Mieter zu lösen. Immerhin 300 von 380 USD haben wir erkämpfen können, aber wirklich: Die wurden uns nicht geschenkt. Die letzten Wochen mit unseren Mitbewohnern waren auch nur noch eine Qual. Für mich steht wieder einmal fest, dass eine Zweck-WG nicht mein Ding ist. Welchen Anreiz zu Sauberkeit und Rücksicht hat man, wenn einem das Wohlergehen der Mitbewohner doch egal ist?! Mit der Uni gabs auch einen kleinen Rosenkrieg- wollen die uns doch einfach keinen Termin für unsere mündliche Abschlussprüfung geben. Professor und Fakultätsleitung sind entgegenkommend, aber ausgerechnet das International Office, welches für die Betreuung der Austauschstudenten zuständig ist, stellt sich quer. Unser Prof will nun versuchen uns die Prüfung nächste Woche heimlich abzunehmen, um eine Note eintragen zu können. Aber wer weiß ob die dann auch anerkannt wird. Man kann ja auch einfach mal ein Semester für gar nichts studieren. Zu guter Letzt wollten wir jetzt ja eigentlich schon an der Copacabana liegen und die letzte Woche genießen, aber die Fluggesellschaft akzeptiert natürlich unsere Kreditkarten nicht und den Flug bar in Pesos zu bezahlen wäre deutlich teurer.
Da also unsere Reisepläne geplatzt sind, wir die Wohnung aber trotzdem schon abgegeben haben, schlafen wir derzeit ein paar Nächte bei Camille & Lionel. Die Vermieter wohnen nebenan, schauen ab und zu mal vorbei und dürfen uns nicht sehen, weil unsere französischen Freunde eigentlich keine Gäste beherbergen dürfen. Am Mittwoch kommt eh Camilles Mutter zu Besuch und wir müssen hier raus. Zu anderen Freunden oder mal sehen.
Immerhin ist das Praktikum, zwar auch etwas stressig, aber doch sehr erfreulich zu Ende gegangen. Wir Marketing-Interns haben unseren Job gut gemacht und einen erfolgreichen Underground Market organisiert. Letzte Woche gabs dazu eine feucht-fröhliche Abschlussparty an die sich keiner mehr erinnern kann und seitdem sind wir offiziell arbeitslos. Das Wetter ist zur Zeit eher ungemütlich. Zwar kein richtiger Winter, eher ein deutscher Herbst, aber trotzdem schwindet die Motivation sich draußen aufzuhalten. Wir verbringen unsere Tage also ein bisschen mit Lernen für die Prüfung, Kartenspielen mit unseren Gastgebern oder Serien gucken. Tranquilo halt.

Was kann ich euch erzählen Kinder? Ihr kennt schon alles, wir kennen schon alles und es ist sowieso schon längst überfällig, dass wir wiederkommen. Die letzten Wochen vergehen wie immer rasend: Schon ist das Praktikum vorbei, das letzte Event sehr erfolgreich abgelaufen, der Pulli fertig gestrickt und leider zu groß. Es wird nach Souvenirs für Freunde & Familie Ausschau gehalten, deutsche Importbestimmungen studiert und sich überlegt, was man als erstes essen möchte, sobald man zurück ist. Die letzten monatlichen Skype-Verabredungen wurden bereits abgehalten, ausgewaschene Kleidungsstücke, die den Rückweg nicht mehr antreten dürfen aussortiert. Ich habe sogar schon geschaut, ob ich meinen Rückflug bereits online einchecken kann. Warum bin ich eigentlich schon wieder so verdammt gut vorbereitet? Hat das letzte Jahr Südamerika mir denn gar nicht geholfen? Mich nicht beeinflusst, oder irgendwie verändert? Oft denke ich über diese Frage nach. Wird die erste Zeit in Deutschland so schön, wie ich sie mir ausmale, oder sind da plötzlich Dinge, die da vorher auch schon waren, aber mir damals besser oder schlechter vorgekommen sind? Wie schnell wird mir die Frage „Achja, du warst ja ein Jahr weg. Und? Wie wars?“ so richtig auf die Nerven gehen? Wie lange kann die Wiedersehensfreude den Abschiedsschmerz kompensieren? Was werdet ihr mir sagen: Habe ich mich verändert und, inwiefern?

Wer denkt, dass der Abschied vor einem Jahr aufregend (und zwar sowohl negativ als auch positiv) war, der weiß nicht, wie es ist wiederzukommen. Bei vielen Leuten weiß ich, dass, sind erstmal die ersten paar Zeilen gesprochen, alles so sein wird, als wäre ich nie weg gewesen. Bei anderen Kontakten bin ich unsicher, wie das Wiedersehen ausfallen wird. Wird es Einfluss auf meine Beziehungen haben, dass ich in der stressigen Abiturphase nicht zum Abfragen da war oder in der Krise mit dem langjährigen Partner zum Händchen halten? Dass ich zum Geburtstag kein Paket geschickt oder vielleicht sogar gar nicht gratuliert habe? Dass ich so viele schwierige und auch schöne Momente verpasst habe? Manch einer mag sagen „Was ist schon 1 Jahr!“, aber mir kommt der Abschiedsmoment am Flughafen wie eine Ewigkeit her vor. Ich kann zusammenfassend nicht sagen, ob mir das Kontakthalten mit jedem so gut gelungen ist. Mit einigen habe ich monatlich geskypt, mit anderen alle paar Wochen gechattet, mit anderen kaum eine Mail geschrieben. Ich hoffe einfach, dass sich keiner von mir vernachlässigt gefühlt hat, denn ich muss sagen, dass ich mich von euch zu jeder Zeit gut up-to-date gehalten und trotz Entfernung als Teil eures Lebens gefühlt habe. Danke für jedes Skypegespräch, jede Facebook-Nachricht, jede Mail. Ich werde die nächsten Tage nutzen, um noch mehr Vorfreude aufzubauen und ich hoffe, den Spruch „Kim hat sich aber ganz schön verändert“ wenn schon dann nur im positiven Kontext hören zu müssen.

 

Letzter Monat!

Der Countdown läuft sozusagen und da nun nur noch 1/12 meines Aufenthalts übrigbleibt, habe ich mir für Euch etwas ganz besonderes ausgedacht: Ein extra Blogpost  mit dem wichtigen Thema „Ich freue mich auf…“:

Ich freue mich auf…

… sorglos mit nem 10€ Schein bezahlen zu können, denn: Die Leute können 5 Stunden nach Geschäftsbeginn tatsächlich wechseln!

… nicht mehr zwischen Deutsch, Englisch und Spanisch hin-und herzustottern

… ganz viele längst vergessene Kleidungsstücke aus den Kartons im Keller zu kramen (hoffentlich ohne Mottenlöcher und Kellermief)

… endlich wieder jeden Sonntag Kleiderschrank aufräumen

… Auto fahren

… deutsche Supermärkte

… das erste Mal seit einem Jahr Shoppen zu gehen. Mit Jeannine in Hamburg. Ich seh es vor mir, beginnend mit Frühstück im Alex Alsterpavillon. Epic.

… eingelegte Gurken, gute Schokolade, Nutella, dunkles Vollkornbrot, erschwingliches Müsli, Käse, Käse und Käse

… mein Bett und darauf, mich nicht mehr nur mit Bettlaken und Wolldecken zuzudecken

… neue Schuhe, deren Absatz nicht nach 3 mal Tragen abfällt

… aufs Splash!-Festival

… aufs nächste Weihnachtsfest, die Vorweihnachtszeit, Kekse backen wenns draußen schneit.

… darauf, dass dieser Unternehmungsszwang endlich aufhört. Ehrlich. Ihr kennt das: Wenn man sich in einer fremden Stadt befindet, fühlt man sich rund um die Uhr genötigt die Zeit zu nutzen, rauszugehen, möglichst viel zu sehen und zu erleben. Macht das mal ein Jahr lang, das ist anstrengend!

… den Euro. Ein Gefühl fürs Geld zurückzugewinnen und nicht mehr umzurechnen

… im Bus nicht mehr für Frauen aufstehen zu müssen, die so alt sind wie meine Mutter

… das erste Mal H&M Bestellen mit Sarah & Marge

… der Moment am Flughafen. Wenn Marge aufgeregt über beide Backen grinst, Basti nervige Sprüche reißt, Sarah darüber mit den Augen rollt und ich merke, dass sich in einem Jahr nichts geändert hat.

Montevideo und andere Kleinigkeiten

So weit weg ist es ja nicht. Und warum nicht noch eine Hauptstadt Südamerikas mehr gesehen haben? Ja genau, also gings ein Wochenende nach Uruguay, genauer: Nach Montevideo zu unserem Studien- und Saufkumpanen Torge. Viel kann ich euch zu der Stadt leider nicht sagen. Ist ganz hübsch an der Küste langspazieren zu können, aber im Grunde genommen ist es auch nur ein (sehr viel) kleineres Buenos Aires. Schaut euch lieber die Bilder an.

Da unsere Zeit hier sich langsam dem Ende nähert, haben Axel und ich uns außerdem daran gemacht, all die Gutscheine einzulösen, die wir gewonnen haben. Vergangene Woche gings dann das erste Mal für mich zu einer Massage. Damit wir beide was von dem Gutschein hatten, haben wir eine Behandlung dazugekauft. Eine Stunde lang wurden wir von Kopf bis Fuß durchgeknetet. Axel durfte anfangen und bei den Schmerzenslauten, die er von sich gegeben hat, hätte ichs mir fast anders überlegt. Mir hat es letztendlich richtig gut gefallen (2 mal eingedöst ist aussagekräftig, nehme ich an) und Axel war sich danach sicher, dass sie bei ihm viel doller zugedückt habe als bei mir (ha ha).

Eine Nacht später ging es mit Camille und Lionel- unsere französischen Freunde, Camille ist auch Praktikantin beim Indy- original mexikanische Tacos essen- ein weiterer unserer Gutscheine. Und als wäre das alles noch nicht genug, haben wir gestern Nacht auch noch unsere Gutscheine für die von Bekannten hoch gelobte Tangoshow eingelöst. Wie gut, dass wir mit nicht allzu hoher Erwartung die Bar Sur betreten haben. Und noch besser, dass wir für 4,5 Stunden immer die gleichen 3 sich wiederholenden Akts nichts bezahlt haben. Was am Anfang seltsam war (wir waren für die ersten eineinhalb Stunden der Show die einzigen Gäste), war nach spätestens 3 Stunden nur noch langweilig. Immerhin haben sich später noch 2 andere Pärchen dem Trauerspiel angeschlossen. Für uns gab es als Trost immerhin einen Schnellkurs der Tangogrundschritte, für Euch gibts Fotos.

Von geschlossenen Türen und neuen Wegen

Liebe Freunde,

um dies erstmal vorwegzunehmen: Ja, das Jobinterview war erfolgreich und seit letzter Woche bin ich glücklicher Marketing-Intern beim Argentina Independent. Letzte Woche musste ich zur Einarbeitung noch täglich ins Büro, heute beginnt mein süßes Leben als quasi Arbeitslose. Aber das macht ja nichts, so widme ich mich mehr meinen neuen Hobbies: Mate trinken und Schals stricken (haha, ich weiß was ihr dieses Jahr alle zu Weihnachten bekommt!). Ich bin Anfängerin, also außer Schals kann ich noch nichts, aber mal schauen wohin mich meine viele Zeit hier noch treibt. Wenn ich die Wahl habe zwischen Nadeln schwingen und Themen für die Thesis suchen, weiß ich jedenfalls wofür ich mich entscheide 😉

Das Praktikum beim Indy ist bisher wirklich ganz cool. Wenn ich mal arbeite, dann erledige ich Organisationskram für unsere Events. Und mal ehrlich: Etwas zu organisieren ist für mich mehr Vergnügen als Arbeit. Mails beantworten, To-Do-Listen erstellen, Ideen für die erfolgreiche Umsetzung des nächsten Underground-Markets (ihr erinnert euch, der illegale Markt für Hobbyköche) sammeln, voll mein Ding. Es ist etwas schade, dass bei einer britischen Zeitung natürlich nur Englisch gesprochen wird und mein Spanisch sich langsam aber sicher wieder in eine kleine Ecke meines Bewusstseins verkriecht, aber das ist der Preis den ich zahlen musste um das andere Praktikum abbrechen zu können.

Gestern hat Axel endlich seinen Geburtstagsgutschein eingelöst und wir waren bei NOLA, einem der in Buenos Aires hoch gelobten closed-door Restaurants. Den im Voraus reservierten private table gab es leider nicht, im Wohnzimmer war nur ein großer Esstisch für alle Gäste aufgebaut. Diesen haben wir dann mit einem US-amerikanischen Pärchen und vor allem sechs japanischen Geschäftsleuten geteilt. Anfangs waren wir zugegebenermaßen etwas enttäuscht, dass unserem Wunsch nach Zweisamkeit doch nicht nachgegangen wurde, aber nach einer Weile haben wir die Anwesenheit unserer japanischen Gesellschaft zu schätzen gelernt. Haben unsere Gastgeber uns etwas über die Speisen und Weine erklärt, wurde sich aufgeregt angesehen und bewundernd genickt. Das Ganze begleitet von Lauten wie  „ahaaa“ und „ohohoooo“ und gelegentlichem Wiederholen bestimmter Schlagwörter. Herrlich.

Generell leben wir uns hier kulinarisch in letzter Zeit sehr schön aus. Mit Shoppen ist es trotz der für uns Ausländer absurd guten Wechselkursrate hier ja leider nichts. Die meisten Sachen sind trotzdem noch überteuert und die Qualität taugt auch bei international angesehenen Marken wie Levi´s nicht das was sie verspricht. Da darf das Geld doch gerne mal in ein nettes Restaurant investiert werden. Außerdem haben wir in der Tombola des zuletzt organisierten Charity-Events des Indy fett abgeräumt, eine Massage, zwei Tickets für eine Tango Show und einen Restaurantgutschein für 4 Personen gewonnen. Donnerstag Nacht geht´s daher mit unseren französischen Freunden schön Tacos essen und später ins Casino, das Glück noch etwas ausreizen.

Achso, zum Abschied wollte ich euch mal vorrechnen, wie man hier easy money mit ein paar Dollarnoten machen kann. Als wir im Dezember hier Urlaub machten, lag der Wert eines US Dollars bei circa 6 Pesos. Im Januar stieg er auf 7,5. Vor zwei Wochen verkauften wir 1000USD (die wir zu einem Preis von ca 800€ gekauft haben) für 9000 ARS. 9000 Pesos sind, wenn man den offiziellen Wechselkurs verwendet, circa 1320€. 520€ geschenkt. Letztes Wochenende krazte der Kurs an der 10, wer das Spektakel weiter verfolgen will, checkt regelmäßig hier. Der offizielle Kurs stagniert übrigens bei 1USD= ca. 5,2 ARS.

 

PS: In 9 Wochen geht mein Flug!

Zwischen Vorfreude und Wehmut

Ich habe mein Praktikum geschmissen!

Nach 11 Wochen Einsamkeit im Büro, unbeantworteten Fragen, Non-Stop Angebote inserieren, ganz viel Copy & Paste und Heißkleber an elektronischen Geräten habe ich kaum mehr Wissen über die Firma als vor dem Praktikum und vor allem keine Lust mehr mich weiter damit zu belasten. Erfreulich: Da ich auf Wunsch meiner Lieblingskollegin Caro meinen letzten Tag mit ihr in Recoleta (dem Büro im Stadtzentrum) verbringen durfte, war wenigstens der Abschluss des Praktikums nicht ganz so traurig wie der Rest. Als ich meinem Chef von meiner Kündigung erzählt habe (per Mail, hatte ihn ja zu dem Zeitpunkt schon seit 5 Wochen nicht mehr zu Gesicht bekommen), hat er sich als Antwort immerhin entschuldigt, dass er meinem Praktikum kaum Aufmerksamkeit widmen konnte und es so wenig betreut hat. Hat mich die Entschuldigung gefreut? Ich weiß nicht. Sie zeigt, dass er sich bewusst war, dass meine Zeit dort weder sehr spannend noch lehrreich war und hatte scheinbar trotzdem nie den Impuls etwas daran zu ändern. Nun fehlen mir ja noch 9 Wochen Praktikum, damit die Hochschule Bremen auch stolz auf mich ist. Wahrscheinlich darf  ich beim Indy anfangen, und so wie Axel 1x die Woche arbeiten. Jobinterview ist nächste Woche.

Und so lange? Mache ich ne Woche frei 🙂 Das Wetter ist noch immer himmlisch, 25° und Sonne, obwohl April ja immerhin das deutsche Equivalent zu Oktober wäre. Das Leben hier scheint so einfach. Fitnessstudio, Supermärkte, Clubs und Bars- alles ist um die Ecke. Ich verlasse das Haus und werde begrüßt von zahlreichen süßen Cafés und Boutiquen, und ganz ehrlich: Warum nicht ein Stündchen Kaffee trinken und Medialunas essen? Ich müsste vielleicht was für die Uni tun oder Material für meine Thesis sammeln, aber all das scheint so weit weg, es ist als lebe ich in einer Wolke. Das schlimmste was einem hier passieren kann, ist dass man seine Sonnenbrille vergisst. Ich fühle mich so wohl, dass ich immer zwischen Vorfreude auf meine Rückkehr und Wehmut über meinen baldigen Abschied schwanke.

Hallo ihr Lieben,

um der Spannung jetzt mal ein Ende zu bereiten, hier der versprochene Blogpost mit Urlaubsfotos. Unsere Reise ging spontan nach Córdoba, der zweitgrößten Stadt Argentiniens. Samstag Abend gings mit Sack und Pack und zugegebenermaßen nicht ganz so viel Vorfreude los- zum Busterminal. Aber wie einige von Euch bestimmt schon durch den Facebook-Post erfahren haben, wurden wir angenehm überrascht. Im normalen Bus waren keine 2 Plätze mehr frei, weshalb wir den ca 17€ teureren Suite-Bus buchen mussten. Es hat sich gelohnt! Ledersitze, die man zum Bett machen konnte, Wifi, Tageszeitung, warmes Abendessen und Whisky on the Rocks. Da ist man nachts schonmal wachgeworden, weil man sich über das Gewackel im Flugzeug wundert. Da Córdoba nicht ganz so schön wie angenommen war, war die Busfahrt schon so mein kleines Highlight an dem Trip.

Aber glücklicherweise sind wir nach 3 Tagen Córdoba ebenso spontan noch nach Roca gefahren, ein kleines Dorf zwischen Córdoba und Buenos Aires, wo Bekannte von Axels Eltern leben. Und wie. Sabine und Richard haben dort ein 4 Hektar großes Gelände mit wunderschönem Garten, Babyhunden, Pferden und Kolibiris (@Katja: Hab ich bisher leider nur auf Fotos gesehen, aber was nicht ist kann ja noch werden)!! Wir wollen die Guten auf jeden Fall nochmal dort besuchen und wenn ich hier nicht ein Praktikum und Studium zu erledigen hätte, wäre ich gleich dort geblieben.

Aber genug, schaut euch die Fotos an!

Córdoba:

Roca:

So, und wer jetzt noch Lust hat, darf sich den Wirtschaftsteil auch noch antun: Da ich in letzter Zeit häufiger danach gefragt wurde, will ich heute mal einen kleinen Ländervergleich Chile/ Argentinien vornehmen und dabei auch ein wenig auf wirtschaftliche Beobachtungen eingehen.

Wenn man als Ausländer hier ankommt, wirkt die Stadt schon sehr europäisch und lässt nicht direkt auf ein Entwicklungsland schließen. Die Fassade bröckelt aber recht schnell, wenn man beginnt sich mit den Menschen zu unterhalten. Früher oder später lenkt sich das Gespräch immer auf die wirtschaftliche Lage Argentiniens. Und über diese beschweren sich die Porteños (so werden die Einwohner der Capital Federal auch genannt) sehr offen. Dabei kommt die ohnehin nicht beliebte Präsidentin Kirchner natürlich nicht besonders gut weg, mir ist aber auch aufgefallen, dass die Menschen hier nicht bloß über die Politiker meckern, sondern im Gegensatz zu den Chilenen sehr wohl auch selbstkritisch sind. Ich möchte das nicht generalisieren, ich habe in Valparaíso durchaus auch selbstreflektierte Menschen kennengelernt, aber wann immer über Chile, seine Wirtschaft oder seine Architektur gesprochen wurde, schwang der Stolz mit und ich persönlich habe oft eine etwas kritischere Sichtweise vermisst. Chile ist zwar in Südamerika angeblich das sich am schnellsten entwickelnde Land, das „Europa in Südamerika“, und trotzdem ist sein Gini Koeffizient (gibt die Ungleichverteilung von Einkommen an) vergleichbar mit dem von Ländern, die wir ohne zu zögern als arm bezeichnen würden. Das ist in Argentinien zwar nicht anders, gerade wenn man in die ländlichen Gegenden reist wird die soziale Ungleichheit deutlich, aber die Argentinier sind sich dessen bewusst, reflektieren ihr eigenes Konsumverhalten. Ich habe das Gefühl, dass Politik und Wirtschaft hier zum alltäglichen Gedankengut auch der jüngeren Bevölkerung gehören.

Buenos Aires hat ein großes Problem mit der Hygiene, da Abfälle, die von Obdachlosen wieder aus den Müllcontainern gekramt werden, die Abflüsse in den Straßen verschmutzen und so das Regenwasser nicht mehr ablaufen kann. Und hier regnet es oft. Die Inflation und der Mangel an Dollardevisen macht den Kosumenten zu schaffen. Man kann den Preisen im Supermarkt beim Steigen zusehen (wobei sie bis Mitte März mal wieder von der Regierung eingefroren wurden) und seine Dollarnoten mittlerweile für 8,3 Pesos das Stück verkaufen, obwohl der offizielle Kurs bei 5,1 liegt. Hinzu kommt nun auch noch ein neues Gesetz, nach dem Einkäufe, die Argentinier im Ausland mit Kredit- oder EC Karte tätigen mit 20% extra besteuert werden. Kauft man z.B. einen Fernseher, so ist die normalerweise teure Ratenzahlung hier günstiger, weil sich der Staat so erhofft, Kontrolle über das sich im Umlauf befindliche Geld zu verschaffen.

Man muss bei all dem natürlich bedenken, dass man Valparaíso mit seinen knapp 300.000 Einwohnern nur schwer mit einer 3 Mio. Einwohner Metropole vergleichen kann (nicht zu verwechseln mit dem Großbereich Buenos Aires, welcher 13 Mio. Einwohner hat). Aber von der Mentalität her fühle ich mich hier deutlich wohler. Ich weiß nicht, ob ich vielleicht kritischer damit wäre, wenn ich die Vergleichsmöglichkeit Valparaíso nicht hätte, aber dort fand ich die Menschen eben oft sehr stolz und dadurch leider auch häufiger uneinsichtig und arrogant, obwohl man diese Eigenschaft ja eigentlich eher den Porteños nachsagt. Ich habe in 2 Monaten hier mehr Menschen kennengelernt, mit denen ich mir vorstellen kann auch über meinen Aufenthalt hinaus Kontakt zu halten, als in den 7 Monaten in Valpo, wobei ich zugeben muss, dass in Chile mein anfänglich sehr schwaches Spanisch fürs Leute Kennenlernen wahrscheinlich ein Hindernis gewesen ist. Die Leute hier werden dem Vorurteil arrogant zu sein meiner Erfahrung nach jedenfalls ehrlich nicht gerecht, sondern sind sehr kontaktfreudig, ausfgeschlossen und hilfbereit. Die übliche Nase-hoch-Fraktion gibt es wohl in jeder Großstadt (und manche Dorfkinder schaffen das sogar auch), aber ich habe sie hier bisher nicht kennengelernt.

Von illegalen Märkten und Heißklebepistolen

In den letzten zwei Wochen haben wir uns noch mehr als üblich dem guten Essen gewidmet. Das tun die Leute hier scheinbar generell besonders gerne, denn es gibt fast jedes Wochenende irgendwelche Märkte, auf denen man nicht nur Obst- oder Gemüse, sondern oft auch organische Speisen aus eigener Herstellung ergattern kann. Da wird man meistens schon durch die bereitstehenden Proben satt.

Diesen Samstag fand ein ganz besonderer dieser Märkte statt, der Argentina Independent Underground Market (organisiert von Axels Praktikumsstelle) auf dem jeder mitmachen und sein Essen verkaufen darf, der eine gute Idee hat und dessen Kochkünste gut genug sind um die Jury (= Redaktion des Argentina Independent) von ihnen zu überzeugen. Da der Argentina Independent (oder kurz Indy) eine Zeitung für Expats in BsAs ist, überrascht es nicht, dass „Köche“ unterschiedlichster Herkunft teilgenommen haben. So gab es Nürnberger Rostbratwürste, selbstgebrautes Bier, gefüllte Falaffel, chilenische pinke Hamburger uvm. Wenn der Markt in 2 Monaten erneut stattfindet, nehmen wir vielleicht auch teil. Wir würden etwas herzhaftes vorbereiten, da die Süßspeisen in der Mehrheit vertreten waren. Falls ihr Ideen für eine einfach und günstig zuzubereitende Speise habt, die sich zum „auf-die-Hand-Verzehr“ eignet, Vorschläge werden dankend entgegengenommen.

Ansonsten sind am Donnerstag Abend Axels Vater Peter und seine Freundin Kerstin in BsAs gelandet und gestern gen Norden weitergezogen. Gemeinsam sind wir am Freitag in den nördlichen Außenbereich Tigre gefahren, um uns das Flussdelta anzusehen.

Der Respekt gegenüber meinem Chef wächst übrigens mit jedem Tag ein bisschen mehr. Besonders angetan war ich, als letzte Woche ein Flachbildschirm, der im Büro hing, heruntergefallen ist und ich sah, dass er mit zwei winzigen Schrauben und Heißkleber befestigt war. Das angeklebte Stückchen Wand kam natürlich auch mit runter. Reaktion von meinem Chef: „Naja, jetzt wissen wir, dass wir ihn besser festmachen müssen. Aber wir wussten ja auch vorher, dass er nicht gut festgemacht war.“ Richtig.

Prognose für die nächsten zwei Wochen: Diese Woche nur von Montag bis Mittwoch ins Büro, denn ab Donnerstag beginnen die Feiertage. In der Folgewoche gar nicht ins Büro, sondern Feier- und Brückentage ausnutzen und reisen. Wohin? Erfahrt ihr im nächsten Blogpost.

Veröffentlicht in Argentinien

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Hola Freunde

Da es heute nur noch genau 4 Monate sind, die mir in Südamerika bleiben, wirds doch mal wieder Zeit für einen Blogpost. Was gibt es Neues? Axel hat mich mit seinen Pumperambitionen angesteckt und statt nur 3 mal die Woche zu spinnen (hab ich erwähnt, dass es in dem Gym hier ca. 5 Spinning-Kurse pro Tag gibt? Paradies!) stemm ich jetzt mit ihm Gewichte. An den Wochenenden sind wir mächtig am socializen und es gibt regelmäßig Grill- und/oder Saufgelage auf unserer Dachterasse. Die blöde Französin ist endlich aus- und eine freundlich wirkende Kolumbianerin dafür eingezogen.

Mein Praktikum nimmt seinen Lauf und obwohl wir noch immer Traumwetter haben, hat meine Haut längst elegante Bürobräune angenommen. Von zwei Monaten Sommer, Sonne und Strand in Chile ist jedenfalls nichts mehr übrig. Seit einer Woche arbeite ich übrigens nur noch 4 Stunden täglich. Aber nicht, wie erwartet, weil mein Chef eine Sekretärin gefunden und eingestellt hat, nein. Am Freitag, 1.März, sollte mein Stundenplan sich ändern. Am Donnerstag, 28. Februar, ist mein Chef Papa geworden. Wer saß wohl am Freitag allein im Büro und es kam um 13:30 Uhr keine Ablösesekretärin? Richtig. In diesem Moment ist mir bewusst geworden, dass mein argentinischer Chef sich erst um Sachen kümmert, wenn es eigentlich schon zu spät ist. So wie Rechnungen erst nach Ablauf der dritten Mahnung bezahlt werden (Scheiß auf Skonti), braucht er auch erst eine Sekretärin, wenn ich nachmittags nicht mehr arbeite und nicht umgekehrt. Hat geklappt. Aber wär ja alles langweilig, wenn ich nicht schon was neues hätte, womit ich ihm hinterherlaufen muss. Bevor ich mich jedoch um mein Februargehalt kümmere, feiere ich erstmal meinen Stundenplansieg.

Letztes Wochenende waren wir auf dem bekannten und beliebten Handwerkermarkt in San Telmo. Was früher vielleicht mal der Verkaufsort selbsthergestellter Waren war, ist heute natürlich leider sehr touristisch und jeder zweite verkauft das gleiche, aber das Viertel ist sehr schön und wenigstens der Tango, der mitten auf der Straße getanzt wird, ist noch echt.

Nicht der Italiener, die Französin wars!

Ich spreche natürlich vom Shampoodiebstahl. Wovon auch sonst. Unser Chili con Carne hat sie übrigens auch mitgegessen, wie ich eines Morgens mit Blick in meine Arbeitslunchbox feststellen musste. Außerdem ist sie rücksichtslos, räumt ihren Dreck nicht weg und geht mir mittlerweile mit allem mächtig auf die Nerven. Manche Menschen sind nicht dazu geschaffen, in einer WG zu leben. Wie gut, dass sich das Problem von alleine löst und sie nächste Woche auszieht. So konnte ich mir weitere unangenehme Konfontationen mit ihr sparen. Achso, und meine mittlerweile nur noch halb volle Shampooflasche lasse ich natürlich nicht auf mir sitzen- ihr Shampoo ist auch ganz gut!

Dies scheint generell eine Nomaden-WG zu sein. Der italienische Besitzer (Nicola) des Hauses ist auch schon ausgezogen, stattdessen wohnt neben uns jetzt noch ein sehr nettes Franzosenpärchen. Ob die lange bleiben, ist angeblich aber auch noch nicht sicher. Aber was soll´s, Nicola findet bestimmt noch ein paar andere Franzosen, die gern in Palermo wohnen wollen.
Das hier ist übrigens unsere Wohnung:


Bei meinem Praktikum hat sich bisher noch nichts geändert, weiterhin 9 Stunden am Tag. Aber immerhin waren diese Woche schonmal ein paar Bewerber da, um sich vorzustellen. Angeblich wird zum 1.März jemand eingestellt. Na hoffentlich! Aber dafür ist mein Arbeitsplatz ganz schön. Schaut selbst.

Und sonst so? Das Wetter hält sich, obwohl es häufiger nachts gewittert. Ab März sollen auch die Temperaturen wieder etwas milder werden. Noch scheint aber täglich die Sonne, weshalb wir jedes Wochenende versuchen, so viel wie möglich von der Stadt zu sehen. Und da gibt es einiges. Habe schon eine to-do Liste erstellt, die es abzuarbeiten gilt 😉 Erstmal zum Abschluss für heute die Bilder vom „El Ateneo Grand Splendid“, eine Buchhandlung in einem Ex-Theater.

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